Neben herausragenden Fußballfesten mit unserer Fortuna gab es in diesem noch jungen Jahr schon ein weiteres Highlight in der deutschen Fußballszene. Etwas für den Connaisseur… Aber lest selbst, erst hier, dann im Buch.
NACH VORNE!
Das Fußball-Buch „Nach Vorne!“ erzählt von Panini-Dealern, betrunkenen Vorstoppern und grätschenden Vereinsmaskottchen
NACH VORNE! Manchmal sind es die kurzen Sätze im Fußball, denen nichts hinzufügen ist. Ob als D-Jugendlicher auf dem dörflichen Aschenplatz, gebrüllt vom Jugendtrainer, oder Jahre später auf den Rängen im Stadion selbst, diesmal raus gepustet vom Sitznachbarn: „NACH VORNE!“ passt immer. Ein neues famoses Fußball-Buch heißt genau so und ist so vielseitig wie der Fußball selbst. „Nach Vorne!“ ist der Titel des Buches, das niemanden kalt lassen kann, der den Fußball liebt oder jemanden kennt, der ihn liebt. Sascha Theisen, der Macher der Fußball-Lesung TORWORT, bringt in diesem Buch kuriose, sentimentale oder einfach nur witzige Geschichten echter Fußball-Koryphäen an den Start – die Highlights der mittlerweile sechs Jahre alten Lesereihe aus Köln. Die 11Freunde-Größen Philipp Köster und Jens Kirschneck, Kabarettist Fritz Eckenga, Mister Ruhrgebietsfußball Ben Redelings und viele mehr schreiben über Fußball – frei nach dem guten alten Kommunen-Motto: Alles kann, nichts muss, vieles geht! In „Nach Vorne!“ finden pathetische Abgesänge auf Stadionuhren und Stehplatzränge genauso ihren Platz wie kickende Schlumpf-Figuren in den Wohnzimmern der frühen Achtziger, erwachsene Panini-Dealer auf Grundschul-Pausenhöfen oder betrunkene Vorstopper im Kreisklasse-Fußball. Kurz: „Nach Vorne!“ ist wie der Fußball selbst: vielschichtig, launig, hin und wieder gar pathetisch aber immer voller Leidenschaft.
Die „Nach Vorne!“-Bewertungsskala:
Emotion
Kreisklassen-Fußball ist hart im Zweikampf und rüde im Ton. Jeder, der einmal auf den abgelegenen Aschenplätzen der Republik gegen einen Ball getreten hat, kennt sie: Betrunkene Vorstopper, die obszöne Gesten und Wörter bemühen als gäbe es keinen Morgen mehr, dabei aber trotzdem jeden Mittelstürmer zur Bedeutungslosigkeit degradieren. In der famosen Kurzgeschichte „Die Peule und der Kaiser“ erzählt Herausgeber Sascha Theisen, wie solche Vorstopper ein ganzes Leben zerstören können. Emotionaler, sozialromantischer und schonungsloser geht es nicht.
Abhängigkeit
Ob Fritz Eckenga vom unverbesserlichen Glauben in seine Mannschaft erzählt, ob Sascha Theisen seine Hörigkeit zum limitierten Aachener Stürmer Mario Krohm zelebriert oder ob Daniela Schulz ihr Leben als Fußball-Girlie zum Besten gibt – Fußball-Fans sind immer auch abhängige Mensche. Es ist gut, wenn darüber zu sprechen.
Erlebniswert
Der Schweizer TV-Korrespondent Peter Balzli erzählt von einer irrwitzigen Live-Schaltung nach Brasilien während der WM 2006 – nur eine Geschichte, die aus dem direkten Erfahrungsschatz der „Nach Vorne“-Schreiber stammt. Wunderbar auch der Vater, der Karl-Heinz Rummenigge zusammenfaltet, weil der dem kleinen Sohnemann bei der Autogrammstunde in der örtlichen Sparkassen-Filiale kein Autogramm gibt. Besonderes gelungen: die Erzählung von Axel Formeseyn, der einst mit dem Tortenschlumpf im heimischen Wohnzimmer für seinen HSV zum 2:1 gegen die verhassten Bayern traf – dort im Tor: natürlich der rosarote Panther, allerdings ohne Chance gegen den Tortenschlumpf.
Wahnsinn
Vereinsmaskottchen die per Grätsche den gegnerischen Trainer ausschalten, Kreisklassen-Trainer die ihrer Mannschaft das lädierte Gemächt unter die Nase halten oder Pornodarstellerinnen auf Amateurplätzen – in „Nach Vorne!“ kann alles, muss nichts, geht vieles.
Liebe
Kein Buch ohne Frauen! Das gilt auch und gerade für Fußball-Bücher. Pauline, Antje, Michaela und Saskia heißen die Ladies in „Nach Vorne!“. Was sie mit Fußball zu tun haben? Eine ganze Menge!
Fazit: Nach Vorne! Kaufen!

